

Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV)
Generalplanung & Architektur
AHA Austrian Healthcare Architects
SWAP Architektur
Architects Collective
F+P Architekten
Fertigstellung: 2038
Klinik Ottakring – Neubau Zentralklinik
1160
Wien,
Montleartstraße 37,
Österreich
Eingebettet zwischen der grünen Landschaft des Wilhelminenbergs und dem urbanen Blockrand, wird in denkommenden Jahren die neue Zentralklinik Ottakring entstehen. Der Entwurf zielt auf eine klare und intuitiveErschließung ab, die den Bedürfnissen von Patient*innen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen gerecht wird. Eine teilweise nachhaltige Bauweise und die Schaffung von Freiflächen tragen zur langfristigen Nutzbarkeit des Gebäudesbei. Die Kombination aus reduzierter und nachvollziehbarer Architektur, effizienter Wegeführung, großzügiger natürlicher Belichtung und grünen Oasen schafft ein positives und funktionales Umfeld für modernste medizinische Versorgungund soziale Interaktion.
Städtebauliche Eingliederung: Brücke zwischen Stadt und Natur.
Die städtebauliche Grundidee ist, den Übergang von der konsolidierten Stadt hin zur kleinteiligen Bebauung im Westen zu ordnen, eine klare Adresse zu bilden und das Areal leicht lesbar und erlebbar zu machen. Der Sockel der Zentralklinik nimmt daher die Richtungund Traufhöhe der gründerzeitlichen Blockrandbebauung auf. Auf diesem Sockel ruhen zwei dreistöckigeDoppelbaukörper, die so angeordnet sind, dass ein respektvoller Abstand zum Bestand entsteht. Durch diese Anordnungbilden die Baukörper eine klare städtebauliche Kante entlang der Montleartstraße und lassen die Rankgasse ineinen gefassten Vorplatz münden. Schattenspendende Baumgruppen, Sitzmöglichkeiten und einige Geschäftsflächen erzeugen dort einen neuen Quartiersplatz mit hoher Aufenthaltsqualität für alle. Im westlichen und südlichen Bereich hingegen ziehen die vegetativen Strukturen der Umgebung weit in das Areal hinein und schaffen einen großzügigen Park, der die denkmalgeschützten Pavillons integriert.
Erschließung und Orientierung: Intuitiv und übersichtlich.
Der Ausgangspunkt für die innere Wegeführung vonPatient*innen und Besucher*innen ist die lichtdurchflutete Eingangshalle mit zentralem Infopoint, die vom Vorplatz aus betreten wird. Über eine breite Treppe und verschiedene Lifte ist die Eingangsebene mit der Parkebene und der Besucher*innenmagistrale verbunden. Die beiden klinischen Zentren sind auf allen Sockelebenen mit der Eingangshalle verbunden. Die klare und intuitive Erschließung ist ein zentraler Aspekt des Entwurfs. Räumliche Strukturen sollen einfach verständlich und nachvollziehbar sein. Daher orientiert sich die innere Erschließung an zwei Hauptachsen: An einer der öffentlichen Magistrale, während ein interner Gang dem Transport der Patient*innen dient. Durch dieseTrennung werden die unterschiedlichen Bewegungsströme sinnvoll entflechtet.
Die öffentliche Magistrale und die Pflegestationen sind zum gemeinschaftlich genutzten Park hin orientiert. Entlang derMagistrale entsteht ein abwechslungsreicher Erschließungsraum mit gut lesbarer Wegeführung zu den einzelnen Abteilungen und zu den vertikalen Erschließungen. Atrien, Lufträume und Galerien lockern die Strukturen auf, lassen Sichtbeziehungen zu und erleichtern die Orientierung. Die Patient*innenzimmer sind zur Außenfassade hin ausgerichtet und bieten Ausblick auf die Stadt und den Wienerwald.
Mit dem Ziel der medizinischen Versorgung, Behandlung und Genesungsförderung muss eine moderne Klinik auch ausreichend Raum für soziale Interaktion bereitstellen. Einladende Aufenthaltszonen abseits der Pflegezimmer an den tageslichthellen Stationsknoten entlang der Erschließungszonen, im Foyer oder in den unterschiedlichen Zonen des Parks stellen das sicher. Zudem ist ein Krankenhaus auch der Arbeitsplatz vieler Menschen. Ärzt*innen, Pflegende, Verwaltungsangestellte – sie alle verbringen viele Stunden in diesen Gebäuden, oft unter hoher Belastung. Die Gestaltung der Arbeitsumgebung ist daher so angelegt, dass sie den Anforderungen der Mitarbeitenden gerecht wird.Kurze Wege, klare Strukturen und Rückzugsorte sind essenziell, um die Belastung zu minimieren.
Grüne Oasen: Ein Spital mit grüner Lunge.
Ein modernes Klinikareal definiert sich nicht nur über die Gebäude,sondern auch über attraktive Freiräume. Die beiden (stadt-)landschaftlichen Bezugssysteme – dicht bebaute Stadt im Osten und stark durchgrünter Wilhelminenberg im Westen – prägen die Konzeption des Freiraums der neuenZentralklinik. Dabei liegt ein starker Fokus auf dem Erhalt der bestehenden Baumgruppen. Diese wachsen mit neuen Gehölzpflanzungen und adaptiver Wegeführung zu einem Mosaik aus Grünflächen und -volumina an und vergrößern den bisherigen Wald zu einer raumgreifenden Struktur. Es entstehen vielfältige Raumangebote, die unterschiedliche Programmierungen erlauben – Spazierwege, Rückzugsräume, sonnige und schattige Bereiche, Gastgärten, Spielmöglichkeiten, Flächen für Sport und Bewegung, Therapiegärten etc. Die begrünten Sockeldächer ergänzen das Raumprogramm in einem geschützten, den jeweiligen Stationen vorbehaltenen Rahmen und vergrößern die ökologischen Flächen: Sie erhöhen damit die Klimaresilienz durch Wasserrückhalt und Reduktion der sommerlichen Überhitzung.
Konstruktion und nachhaltige Bauweise: Ökologische Verantwortung im Gesundheitsbau.
Krankenhäuser sind energieintensive Gebäude. Nachhaltige Architektur bedeutet allerdings nicht nur den Einsatz energieeffizienter Technologien, sondern eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Von der Auswahlder Materialien über die Bauweise bis hin zu Fragen des Betriebes und der Instandhaltung müssen ökologischeÜberlegungen in alle Planungsschritte integriert werden.
Auch die Haustechnik setzt auf Effizienz: Wärmepumpen und Geothermie sorgen für Heizung und Kühlung, währendPhotovoltaikanlagen auf den Dächern den Energiebedarf decken. Die extensive Begrünung der Dächer schütztzusätzlich vor sommerlicher Überhitzung.
Verkehrsorganisation: Sicherheit und Zugänglichkeit.
Die Verkehrsströme rund um die Klinik sind in Zukunft noch klarer getrennt: Notfallzufahrten bleiben nördlich des autofreien Vorplatzes, während Bus und zugehörige Haltestelle am Rand des Quartierplatzes integriert sind, ebenso wie eine Kiss&Ride- und Taxizone. Die Erschließung innerhalb des Areals orientiert sich einerseits an den Bestandswegen als auch an der intuitiven und direkten Wegfindung des Fußgänger*innen- und Radverkehrs. Dadurch entsteht ein attraktives Wegenetz bei gleichzeitig geringem Verbrauchvon Grünraum. Der motorisierte Verkehr bewegt sich primär in den Randbereichen des Areals. Die weitgehendeTrennung von motorisierten und nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer*innen gewährleistet eine hohe Verkehrssicherheit.
Über AHA Austrian Healthcare Architects
Die 2022 zusammengeschlossene Projektgemeinschaft AHA Austrian Healthcare Architects besteht zu gleichen Teilen aus den Büros Architects Collective, F+P ARCHITEKTEN und SWAP Architektur. Bereits in der Vergangenheit haben die Büros an verschiedenen Projekten und Wettbewerben erfolgreich in anderen Konstellationen zusammengearbeitet und waren an den Planungen für Gesundheitsbauten wie die Klinik Floridsdorf oder das Klinikum Klagenfurt beteiligt. Als AHA bündeln sie ihre fachliche Expertise projektübergreifend, bilden neue Synergien und etablieren eine neue Healthcare Architecture Marke. Ziel ist es, die hochkomplexen und stetig wachsenden Anforderungen an die Architektur von Gesundheitseinrichtungen bestmöglich und nach den Entwurfprämissen der Healing Architecture entlang den Bedürfnissen der Menschen – Personal, PatientInnen und Angehörige – im Gesundheitswesen zu erfüllen bzw. zu leisten.
